Martin Krotki: Gedruckte Medien werden sich mit AR wandeln

Was sind die Themen und Trends, die Medienunternehmen 2018 und darüber hinaus beschäftigen werden? Wir haben dazu Experten befragt und um eine Definition und Einschätzung gebeten. #7: Martin Krotki über Augmented Reality.

Das Jahr 2017 war der Startschuss für das Thema Augmented Reality. Davor beschäftigten sich die AR-Experten, Entwickler und Innovatoren mit möglichen User Cases. 2017 stiegen erstmals Unternehmen wie Google, Facebook, Samsung und Apple in das AR-Business ein und kündigten die Öffnung der AR-Systeme für die breite Masse der Nutzer an. Das Spiel Pokemon Go war in dem Zusammenhang sehr edukativ und trug dazu bei, dass sich sehr viele mit dem Thema auseinandersetzten. Ich glaube deshalb, dass 2017 für AR als das Geburtsjahr gelten wird.

2014 bis 2016 dachten die Medienhäuser, dass die digitale Erweiterung der Druckmedien mittels AR den Segen für die Attraktivität der Medien als auch für die Anzeigenvermarktung bringen würde. Leider war keines der Medienhäuser wie Axel Springer, Burda, Condé Nast oder Madsack AR entsprechend aufgestellt. Die alte Trennung zwischen Print und Digital verhinderte die sinnvolle und attraktive Verknüpfung der Inhalte. Die Mitarbeiter in der Vermarktung waren vollkommen mit der Erfassung der technischen Möglichkeiten von AR überfordert. Die Geschäftsmodelle blieben die gleichen und die notwendigen Folgeinvestitionen in eine iterative Entwicklung der AR-Inhalte wurden nicht getätigt. Große Fehler, die zum Einstampfen von AR in Medienhäusern geführt haben. Mit 30.000 Euro kann man AR nicht erfolgreich in ein wöchentliches Magazin integrieren.

2017 kamen die Unternehmen und Konzerne aus der Reserve. Einige AR-affine Bereiche kristallisierten sich heraus. Der Einsatz von AR in der Bildung, als Teil des Vertriebsprozesses, im Marketing zur Imagebildung und als direkte Produkt- und Serviceverbesserung ist derzeit extrem erfolgreich unterwegs.
Die Zahlen sprechen für sich. Man kann genau messen, welche direkten Effekte AR hat. Die Prozesse sind vollständig operationalisiert. Dies ist den zahlreichen Machbarkeitsanalysen der letzten beiden Jahre geschuldet.

Im Jahr 2018 werden wir durch Smartphones und kurz danach durch die Brillen eine hybride Welt sehen und wahrnehmen. Hybrid, weil sie aus realen und digital-ergänzenden Elementen bestehen wird. Die digitalen Elemente sind entweder Informationen, die wir kontextbezogen erwarten respektive benötigen, oder aber 3D-Gebilde, die das Abbild der Realität sinnvoll ergänzen. Und wir werden uns sehr schnell daran gewöhnen.

Die größte Hürde im AR-Bereich ist aus meiner Sicht das fehlende Wissen rund um das Thema AR und das daraus resultierende Fehlen belastbarer Konzepte. Die Konzepte fördern die Produktion von AR-Inhalten. Die AR-Inhalte sind schlussendlich das, was User sehen, nutzen und bewerten.
Fehlt das Wissen, so fehlen die AR-Inhalte. Augmented Reality Apps kann man sehr schnell entwickeln oder produzieren. Bei appear2media haben wir dafür ein White-Label-Model entwickelt. Mehr als 106-mal wurde auf diese Art eine Augmented Reality Anwendung herausgebracht. Doch die Apps sind lediglich die AR-Content-„Gefäße“. Sie tragen in sich den AR-Content, der aus den Real-Digital-Verknüpfungen, der Logik und aus den Multimedia Daten besteht. Auf diese Inhalte kommt es an. Diese Inhalte entscheiden über den Erfolg und die sich daraus ergebenden Chancen.

AR zwingt einen dazu, hybrid oder mehrdimensional zu denken. Offline und Online zugleich. In Zeiten, in denen die Dinge um uns herum miteinander kommunizieren (Internet of Things), diese Dinge direkte Transaktionen untereinander ausführen (Blockchain) und Smart Devices in allen Bereichen des Lebens genutzt werden, ist die Verwendung von AR, um diese Beziehungen sichtbar zu machen, nur logisch. Daher gehe ich davon aus, dass der Schub, den AR 2018 erfahren wird, revolutionär sein wird.
Medienhäuser werden den AR-Ball wieder aufnehmen müssen. Das Print-Medium wird sich wandeln von einem Content-Paket zum Content-Katalog, bei dem die Inhalte flexibel ausgeliefert werden und wo das Geschäftsmodell zum Micropayment tendieren wird. Die Relevanz von AR für die Medienunternehmen wird daher existentiell sein. Inhalte über eine Website oder eine zentrale Suche zu erhalten war gestern. User werden Informationen, Produkte, Filme, Objekte kontextbezogen, flexibel und möglichst smooth direkt ins Blickfeld eingeblendet haben wollen. Das ist die Zukunft – und diese Zukunft ist schon in der zweiten Hälfte 2018 die Wirklichkeit.

Martin Krotki ist einer der vier Gründer der appear2media. Er arbeitete vorher als Unternehmensberater und Produktmanager im Bereich des digitalen Marketings und inhaltlichen Erschließung von unstrukturierten Daten mittels SAP BO. Die appear2media wurde im Dezember 2012 gegründet. Der Augmented Reality Spezialist hat seitdem mehr als 120 AR Projekte erfolgreich abgeschlossen und Kunden wie Focus, Die WELT, AutoBILD, GU, McDonald´s, Ströer, Continental etc. gewonnen.

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