Britta Kroker: Verlegerische Kompetenz sorgt auch bei E-Learnings für Qualität

Direktvertrieb, Arbeit in Zeiten der digitalen Transformation, Blockchain, Künstliche Intelligenz, Smart Speaker, Bücher im Web, Personalisierung, Augmented Reality, Storytellung und E-Learning – dies sind die Themen und Trends, die Medienunternehmen 2018 und darüber hinaus beschäftigen werden. Wir haben dazu Experten befragt und um eine Definition und Einschätzung gebeten. #1: Britta Kroker über E-Learning.

E-Learning ist dabei, sich aus einem Nischenmodell der betrieblichen Weiterbildung zum Taktgeber zu entwickeln. Immer mehr Unternehmen nutzen E-Learning, um ihre Mitarbeiter zu schulen. Grund dafür ist die hohe Flexibilität bzw. die örtlich und zeitlich unabhängige Nutzungsmöglichkeit. Bei Belegschaften, die um den ganzen Globus verteilt sind, ist E-Learning sogar die einzige Möglichkeit, alle Mitarbeiter schnell mit Wissensressourcen und Lernmaterialien zu unterstützen. Diese Entwicklung löste auch bei den Herstellern von E-Learnings und von E-Learning Technologien einen Professionalisierungsschub aus. Doch bis heute liegt der Fokus im E-Learning stärker auf der Technologie als auf den Inhalten. Die Erfahrungen, die wir mit der Pink University als einem Anbieter von E-Learning-Content machen, zeigen aber, dass verlegerische Kompetenz auch hier ein erfolgskritischer USP sein kann.

Der Durchbruch des E-Learning begann mit dem CBT Um einen Blick auf die Zukunft des E-Learning zu werfen, ist die Beschäftigung mit der Vergangenheit hilfreich. Und die beginnt lange vor dem Internet mit dem Computer Based Training (CBT). Das CBT gab Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter zeitunabhängig zu schulen. Fast gleichwertig zählte die Möglichkeit, Lernfortschritte und Lernabschlüsse automatisch in Lernmanagementsystemen erfassen zu können. Für den ganzen Bereich der Pflichtschulungen stellten CBTs damit eine enorme Vereinfachung und Kostenersparnis dar. Zu den Pflichtschulungen gehörten und gehören Themen wie Compliance, Brandschutz, Erste Hilfe sowie berufs- und branchenspezifisch vorgeschriebene Schulungen.

Das Problem der E-Learnings mit der Lernmotivation Mit dem Aufkommen des Internets wurden die CBTs weiterentwickelt zum Web Based Training, (WBT). Zur Zeitunabhängigkeit kam jetzt noch der Vorteil der Ortsunabhängigkeit. Mussten CBTs noch am Rechner im Büro absolviert werden, so entfiel diese Begrenzung bei browserbasierten Lösungen. In beiden Fällen spielte das Thema „Lernmotivation“ keine große Rolle. Weil E-Learnings vor allem für die sogenannten Pflichttrainings eingesetzt wurden, hatten die Mitarbeiter keine andere Wahl, als die CBTs und WBTs zu durchlaufen. Andernfalls drohten Sanktionen. Das wiederum hatte zur Folge, dass die WBTs nicht durchgearbeitet, sondern eher durchgeklickt wurden. Hauptsache gemacht! Die als grundsätzliches Lernziel gewünschte Verhaltensveränderung (z. B. nichts in den Flur zu stellen, weil man weiß, dass im Brandfall der Fluchtweg verstellt wäre) wurde ausgetauscht gegen „abgehakt“ (das Brandschutz-WBT wurde durchlaufen und am Ende gab es ein „ok“, das als Nachweis für den Gesetzgeber dienen kann). Der damit verbundene Anspruch an E-Learnings hat sich in den letzten Jahren allerdings deutlich verändert.

Große Bandbreiten öffneten dem E-Learning neue Märkte

Grund für den neuen Boom im E-Learning sind die gestiegenen Bandbreiten und die flächendeckende Verbreitung mobiler, internetfähiger Endgeräte. Besonders die Möglichkeit, mit Video zu arbeiten und Videos auch auf Smartphones auszuspielen, vergrößerte die inhaltlichen Möglichkeiten des E-Learning. Es war deshalb kein Wunder, dass um das Jahr 2011, dem Gründungsjahr der Pink University, auf der ganzen Welt viele neue E-Learning Modelle entstanden. Ein Jahr nach Gründung der Pink University gingen 2012 neben Coursera in den USA auch EdX und Udacity an den Start. Und bereits 2007 experimentierte der spätere Udemy-Gründer Eren Bali mit „Virtual Classrooms“. Parallel dazu wurden vielfältige sogenannte „Autorentools“ entwickelt. Es handelt sich dabei aber weniger um Werkzeuge für Autoren. Zieht man die Parallele zum klassischen Verlegen, wären „Autorentools“ eher „Herstellertools“. Während die Technologien weiter im Vordergrund standen, setzten wir mit der Pink University vor allem auf die Entwicklung qualitativ hochwertiger Inhalte – wobei wir die technischen Entwicklungen natürlich auch immer genau verfolgen und nutzen. Heute ist es der Kern unseres Geschäfts, E-Learnings zu den Bereichen Führung, Kommunikation und Soft Skills herzustellen. Auf eigenes, verlegerisches Risiko. Der Erfolg gibt uns recht.

Vom klassischen Verlegen zum digital publishing

Die Unterschiede zu meiner Zeit als Buchmacherin liegen im Format. Statt Bücher herzustellen, produzieren wir multimediale, interaktive E-Learnings, die von Unternehmen gekauft und in die digitalen Lernumgebungen des Unternehmens integriert werden können. Anders als das bei klassischen WBTs der Fall war, konzentrieren wir uns dabei auf Themen, bei denen das Lernziel „Verhaltensveränderung“ im Mittelpunkt steht. Ähnlich, wie es im klassischen Buchgeschäft darum geht, Leser zu gewinnen, müssen wir heute mit unseren E-Learnings Mitarbeiter gewinnen. Nur wer freiwillig ein E Learning zum Thema „Feedback geben“ absolviert, wird auch lernen, welche Bedeutung Feedback hat und wie man im Berufsalltag richtig Feedback gibt. Um hier erfolgreich zu sein, ist das notwendig, was ich als „verlegerische Kompetenz“ bezeichne: nämlich ein Gespür für die richtigen Inhalte, Erfahrung und Professionalität bei der Aufbereitung der Inhalte und der Mut, bei der Produktion in Vorleistung zu gehen. Die derzeit größte Herausforderung besteht darin, die vielen möglichen Medien – von Video über Text und Interaktionen – so zu kombinieren, dass die Nutzer zu begeisterten Nutzern werden und nachhaltig lernen. Dafür genügt der klassische Lektor nicht mehr. Hinter den inzwischen vielfach ausgezeichneten E-Learnings der Pink University stehen Drehbuchautoren, Fachredakteure, Mediendidaktiker, Motion Designer, Regisseure, Kameraleute und E-Learning Experten. Gemeinsam haben wir so das neue Format „Online Kompetenztraining“ entwickelt.

Wie geht es weiter? Die Anstrengungen, auch Denk- und Lernprozesse Computern und Robotern zu überantworten, laufen auf Hochtouren. Eines der vieldiskutierten Themen der E-Learning Branche ist „Artificial Intelligence“. Ich schätze, dass es einige Zeit dauern wird, bis Roboter selbstständig didaktisch hochwertige E-Learnings bauen werden. Bis dahin bleiben wir gerne am Ball.

Britta Kroker kam über die Buchbranche zum digitalen Publizieren. Die ehemalige Verlagsmanagerin war als Programmgeschäftsführerin des Campus Verlags verantwortlich für viele Wirtschafts- und Sachbuchbestseller. 2006 gründete sie die Online Buchhandlung Managementbuch.de und 2011 die Pink University. Die Pink University ist ein E-Learning-Anbieter mit Sitz in München. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf der Herstellung videobasierter, multimedialer und interaktiver E-Learnings zu den Bereichen Kommunikation, Führung und Soft Skills. Die Arbeiten der Pink University wurden vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit der europäischen Comenius EduMedia Medaille.

 

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