Die Zusammenarbeit zwischen Medienunternehmen und Start-ups muss professionalisiert und politisch unterstützt werden werden!

Eine der deutschen Leitindustrien ist mit Sicherheit die Automobilbranche, aufgrund ihres Wirtschaftsvolumens sakrosankt bis zur Systemrelevanz. In den letzten Jahren lag der Inlandsumsatz relativ konstant bei etwa 150 Milliarden Euro Umsatz. Da erbleicht manch Medienschaffende(r) und verneigt sich in Demut – oder? PricewaterhouseCoopers hat wieder einmal seine Studie „German Entertainment & Media Outlook 2019-2023“ vorgelegt und kommt zu dem Ergebnis, dass der deutsche Medien- und Unterhaltungsmarkt im Jahr 2018 knapp 53 Mrd. Euro umgesetzt hat. Und für die kommenden Jahre prognostiziert die Studie weiteres Wachstum – mit Ausnahme der Zeitungs-, Publikumszeitschriften- und werbefinanzierten TV-Branchen. Das relativiert dann doch einiges an Ehrfurcht und verwundert ob der alltäglichen Menetekelei vieler in der Branche. Natürlich stehen nach wie vor enorme Hausaufgaben und Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung an und natürlich gibt es keine Gleichzeitigkeit der Entwicklung. Will heißen: Die Zukunftschancen der „Kulturgut Buch“-Gemeinde sind mit Sicherheit anders einzuschätzen als diejenigen vieler Fachinformationsanbieter. Oder, anders formuliert: Die Antwort auf das Gebrumme, es werde nicht mehr gelesen, muss schlicht heißen: „Es wird mehr gelesen als je zuvor.“ Nur eben anders.

Woher soll aber die Kraft (und auch die finanziellen Mittel) zur Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen kommen? Wer auf Verbände und Standesinstitutionen hofft, bekommt, was er oder sie verdient – ein launiges „Vorsicht, Buch!“ oder „Print wirkt!” Und wer auf die Politik setzt, konnte sich etwa auf den kürzlich stattgefundenen Medientagen in München wieder einmal nur verwundert zurücklehnen. Da sei es einem bayrischen Ministerpräsidenten verziehen, wenn er den deutschen Medien riet: „Wenn eine Welle da ist, muss man sie reiten und nicht warten, bis andere es tun.” Gut, Erfahrung darin hat der Münchner (Meinungs)Wellenreiter ja durchaus. Ansonsten gab es viel ministeriale Nebelbomben und Schlagworte wie das einer „starken gemeinsamen Plattform“ europäischer Medienanbieter oder einer „Medien- und Kulturplattform“ auf der einen Seite. Und natürlich kam wieder der Ruf nach „Regulierung von Plattformen“, ein Ruf, der eher (folgenlos natürlich) über den Teich ging. Und wenn dann noch der „Philosoph, Autor und Staatsminister a. D.“ Julian Nida-Rümelin fordert: „Wir brauchen ein öffentlich-rechtliches Google!”, dürfte dem oder der Letzte(n) klar sein: Warten auf veränderte politische Rahmenbedingungen hilft den Medienunternehmen in ihrem täglichen Geschäft nicht weiter.

„Es sind auch diesmal wieder die digitalen Angebote, die Bewegung in den Markt bringen und für Zuwächse sorgen.“ Das bringt die oben erwähnte Studie von PricewaterhouseCoopers klar auf den Punkt. Gerade hier ist das Thema „Innovation“ seitens der Produkte und Services enorm wichtig und eine tiefgehende Vernetzung der Innovationsträger wie Start-ups auf der einen und der Verlage auf der anderen Seite entscheidend. Fakt ist aber, dass die Förderlandschaft hierzulande enorm zersplittert und von Bundesland zu Bundesland äußerst unterschiedlich in Form und Inhalt ist. Ein schwer durchschaubares, unlogisches Dickicht. Auf Bundesebene selbst wird es dünn – mit etwas Zynismus könnte man hier noch die DNI-Initiative als wichtigstes Förderinstrument bezeichnen. Zynismus deswegen, weil sich hinter dem Digital News Innovation Fund kein anderer als Google verbirgt.

Statt Lippenbekenntnissen, Wellenreiterei oder der Regulierungsforderung einzelner Plattformen bräuchte es klare und umfangreiche bundesweite Fördermöglichkeiten für die Kooperation von Start-ups und Medienunternehmen. Dann wäre der gar nicht so kleinen Medienbranche in Sachen Zukunftssicherung schon entscheidend geholfen.

Steffen Meier

Gründer und Herausgeber digital publishing report

(Aus dem Vorwort des digital publishing report Ausgabe 21/2019)

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