Thema
Die Frage ist nicht mehr, ob Verlage mit KI arbeiten – sie tun es längst, ob im Buch, im Fachmedium oder in der Presse. Die interessante Frage lautet inzwischen anders: Wo behält der Verlag die Kontrolle, und wo schafft bewusste Zurückhaltung mehr Wert als maximale Automatisierung?
Genau darum geht es bei der ai@media. In den Praxisberichten dieser beiden Tage taucht ein Muster immer wieder auf: Die erfolgreichen KI-Projekte sind nicht die, die am meisten automatisieren, sondern die, die genau wissen, wo die Maschine aufhört und der Mensch übernimmt. Ein Fachverlag, der aus geprüftem Wissen neue Services baut, ohne die Hoheit über seine Inhalte abzugeben. Ein Service-System, das nur abschließt, was sich sicher abschließen lässt. Ein Assistent, der bei unsicherer Faktenlage lieber schweigt als falsch zu antworten.
Seit 2021 bringen wir Entscheider:innen, Expert:innen und Branchenpioniere aus Buch-, Fach- und Pressehäusern zusammen, die aus dem Verlagsalltag berichten – ehrlich, mit Zahlen, Hürden und Lessons Learned. Was funktioniert? Wo lauern die Risiken für Qualität, Recht und Glaubwürdigkeit? Und wie gelingt die Umsetzung, ohne die Kontrolle über Inhalte, Daten und Marke zu verlieren?
Ihre Vorteile auf einen Blick
- Zwei volle Tage geballte Fachexpertise statt theoretischer Konzepte
- Praxis statt Vendor-Pitch: echte Use Cases mit Hürden, Zahlen und Lessons Learned
- Sofort umsetzbar: konkrete Strategien und Blueprints für die KI-Integration
- Flexibel verfügbar: komplette Aufzeichnung aller Sessions zum Nacharbeiten
Agenda Tag 1 – 16. September 2026

Silke Modjesch und Steffen Meier (DIGITAL PUBLISHING REPORT)
Wie arbeitet eine Branche, die von guten Texten lebt, sinnvoll mit generativer KI? Welche Anwendungen bringen wirklich etwas? Und wo folgt auf den schnellen Nutzen ein Schaden, der erst später auffällt? Wiebke Apitzsch zieht in dieser Keynote die Grenze zwischen beidem.
Sie beginnt bei der Mechanik: ohne im Technik-Klein-Klein zu versinken, zeigt sie, wie generative KI zu ihren Ergebnissen kommt – und warum das Plausible dabei nicht dasselbe ist wie das Richtige. Wer diesen Unterschied kennt, entscheidet anders.
Ein Exkurs in die Ethik macht deutlich, wie sich KI-Projekte so gestalten lassen, dass sie zu den eigenen Werten, Qualitätsansprüchen und der Verantwortung eines Verlags passen. Kein Selbstzweck, sondern schlicht notwendig, um das Vertrauen und die Loyalität der Menschen zu schützen, für und mit denen Sie arbeiten. Anhand von Beispielen aus ihrer Projektpraxis und ihrer eigenen Textarbeit zeigt Wiebke Apitzsch schließlich, wie produktive KI-Nutzung im Redaktionsalltag wirklich aussieht: effizient, reflektiert und mit gutem Gewissen.

Wiebke Apitzsch ist Expertin für die strategische Entwicklung und Umsetzung von KI-Lösungen in Unternehmen und Geschäftsführerin der Beratungsfirma AI.IMPACT. Mit langjähriger Erfahrung in der Identifikation und Produktionalisierung von KI-Use Cases unterstützt sie Organisationen dabei, Künstliche Intelligenz erfolgreich und nachhaltig einzuführen. Zusätzlich studiert sie Philophie in München. Zuvor war sie bei der Boston Consulting Group (BCG) tätig und ausgebildeter INSEAD Executive Coach. Ihre Expertise liegt an der Schnittstelle von Strategie, Technologie und Veränderungsmanagement. Darüber hinaus ist Wiebke Apitzsch als Autorin aktiv und schreibt Fachartikel und Kurzgeschichten.
Fachmedien verfügen über einen strategischen Wettbewerbsvorteil: hochwertiges, geprüftes und einzigartiges Fachwissen. Doch wie lassen sich daraus neue, skalierbare Geschäftsmodelle entwickeln?
Aleksandar Petrovic, Head of Sales & Customer Advisory beim KI- Verlagsspezialisten Retresco, zeigt anhand konkreter Praxisbeispiele aus dem deutschen Fachmedienbereich, unter anderem von Rehm Verlag, Avoxa, Hans Soldan und energate, wie Verlage KI-basierte Angebote entwickeln, einsetzen und vermarkten können.
Im Fokus stehen dialogbasierte KI-Assistenten, automatisierte Recherche-Tools und interaktive Informationsangebote, die redaktionelles Wissen, Fachdaten und Verlagsinhalte in neue nutzbare Services übersetzen. Welche KI-Angebote lassen sich belastbar monetarisieren? Welche Inhalte, Daten und Archive eignen sich für neue Services? Und wie können Fachverlage ihr fachliches Know-how in zukunftsfähige Geschäftsmodelle überführen?

Aleksandar Petrovic, Head of Sales & Customer Advisory bei Retresco, verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in IT-Transformationsprojekten, insbesondere in den Bereichen Sales Automation, CRM, Solution Design und Business Modelling. Bei Retresco ist er auf maßgeschneiderte KI-Projekte spezialisiert, die auf GenAI und semantische Verfahren basieren, um Wissen interaktiv zugänglich zu machen – etwa durch Chatbots, intelligente Frage-Antwort-Systeme oder virtuelle Assistenten. Sein Beratungsschwerpunkt liegt auf der Konzeption und Implementierung von KI-Services für interne Projekte sowie B2B2C-Anwendungen. Er vermittelt Best Practices zur Kontextualisierung von Inhalten und zur Entwicklung innovativer Produkte für nationale und regionale Medien, Newsdienste und Fachmedien.
88 % der Verlage setzen bereits AI ein, doch nur wenige erzeugen daraus nachhaltigen wirtschaftlichen Mehrwert. Der nächste Schritt sind nicht weitere Chatbots, sondern agentische Automatisierungen: Sie übernehmen konkrete Arbeitsschritte eigenständig und verbinden sich zu durchgängigen Prozessen.
Mit dieser Entwicklung wächst die Verantwortung. Kontrolle bedeutet mehr als einen Freigabeknopf, sie beginnt bei der Souveränität über Daten und Systeme, umfasst die Nachvollziehbarkeit jeder AI-Aktion und richtet sich nach dem Risiko des jeweiligen Prozesses.
Anhand eines praxisnahen Beispiels mit Langdock und Xpublisher zeigt der Vortrag, wie sich moderne Redaktions- und Publishingsysteme mit individuellen KI-Lösungen verbinden lassen. So entstehen durchgängige Prozesse, in denen bestehende Publishing-Funktionen sinnvoll um individuelle KI-Anwendungsfälle ergänzt werden und die einzelnen Schritte transparent und nachvollziehbar bleiben. Statt pauschaler menschlicher Kontrolle sorgen dabei risikobasierte Freigaben für einen intelligenten Governance-Ansatz.
So wird sichtbar, wie Verlage AI produktiv skalieren, ohne die Kontrolle über Daten, Prozesse und Entscheidungen zu verlieren.

Matthias Kraus ist Gründer von mintloop, einem Beratungsunternehmen für AI-Strategie und AI-Lösungen im Publishing. Über 20 Jahre lang hat er Publishing-Technologien aus der Verantwortung im laufenden Betrieb entwickelt: von Architekturentscheidungen bis zur Umsetzung in realen Organisationen. Als Gründer und langjähriger Geschäftsführer von Xpublisher hat er eine der führenden Redaktionsplattformen im deutschsprachigen Markt aufgebaut. Bei mintloop begleitet er Verlage dabei, das Potenzial von AI in ihren Content- und Redaktionsprozessen zu erschließen – praxisnah, strukturiert und mit messbarem Ergebnis. Xpublisher bleibt Teil seines Portfolios und wird gezielt in Kundenprojekten eingesetzt.
Zwei Regionalverlage, zwei Antworten. Barbara Zinecker (Verlag Nürnberger Presse) und Louisa Riepe (Neue Osnabrücker Zeitung) zeigen, wie KI im redaktionellen Kern arbeiten kann – an zwei ganz unterschiedlichen Stellen.
„Erlangen am Abend“ – der KI-Podcast (Verlag Nürnberger Presse)
Jeden Werktag ab 17 Uhr fasst der Podcast die wichtigsten Nachrichten des Tages zusammen: redaktionell ausgewählt, von einer KI-Stimme gesprochen. Nach einem sechsmonatigen Proof of Concept steht fest, dass sich ein redaktionelles Podcastformat mit KI-Stimmen überzeugend abbilden lässt – und laut Redaktion sogar eine neue Zielgruppe erreicht. Ein Human-in-the-Loop-Ansatz justiert jede Folge nach. Die KI produziert, die Auswahl bleibt beim Menschen.
„frag NOZ“ – lieber keine Antwort als eine falsche (Neue Osnabrücker Zeitung)
Der KI-Assistent beantwortet Leserfragen ausschließlich auf Basis der eigenen redaktionellen Inhalte – und entscheidet sich bewusst gegen die maximale Antwortquote: Wo die Faktenlage unsicher ist, schweigt das System lieber, als falsch zu antworten. Im Vordergrund steht nicht Reichweite, sondern Verlässlichkeit – und damit das Vertrauen in die Marke.

Barbara Zinecker ist stellvertretende Chefredakteurin im Verlag Nürnberger Presse. Sie verantwortet die Transformation redaktioneller Workflows – von der datenbasierten Themenplanung bis hin zur Distribution. Dabei wird sie geleitet von der Frage nach der Relevanz von Journalismus im Zeitalter von Sozialen Medien und KI und entwickelt mit ihren Teams spannende neue Formate in den Bereichen Video-Content, Newsletter und Podcasts.
Foto: Volkan Tural

Louisa Riepe ist Chefredakteurin im vierköpfigen Chefredaktionsteam der NOZ/mh:n Mediengruppe, einer der größten Regionalzeitungsverlagsgruppen Deutschlands. Als zertifizierte Change Managerin treibt sie die digitale Transformation und verantwortet die strategischen Zukunftsthemen Innovation und KI-Weiterentwicklung. Gemeinsam mit interdisziplinären Teams hat sie die Entwicklung und Einführung des KI-Systems „frag noz“ sowie agile, bereichsübergreifende Redaktionsstrukturen vorangetrieben und zeigt damit in der Praxis, wie Medienhäuser technologischen Wandel strategisch meistern. Ihre Expertise verbindet tiefes journalistisches Handwerk mit zukunftsweisendem Produktmanagement und echter Innovationskraft.
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Die Glaubwürdigkeit der eigenen Marke und das Vertrauen der Kunden in die Qualität der eigenen Inhalte sind die wertvollsten Güter, über die Medienunternehmen verfügen. Doch wie lässt sich dieser Qualitätsanspruch zuverlässig und messbar bei der Verwendung von KI-Anwendungen aufrechterhalten? Und wie stellen Verlage sicher, stets Herr über die eigenen Inhalte zu bleiben und diese nicht an die Blackboxes von Softwareunternehmen zu verlieren? Carsten Schwab erläutert in seinem Vortrag anhand konkreter Beispiele zu RAG-Systemen und maschinellen Übersetzungen, warum strukturierte Daten und automatisierte Prozesse der Fels sind, auf dem langfristig erfolgreiche Geschäftsmodelle gebaut werden.

Carsten Schwab ist Inhaber und Geschäftsführer der XPS AG in Zürich, die Unternehmen, Verlage und Bildungsanbieter dabei unterstützt, komplexe Content- und Publishingprozesse zu vereinfachen und zukunftssicher aufzustellen. Viele Jahre arbeitete er in Führungsverantwortung in renommierten Verlagen und trieb dort die digitale Transformation voran, unter anderem als Mitglied der Geschäftsleitung im Diogenes Verlag. 2024 erhielt er den dpr award in der Kategorie «Digital Leader(ship)».
Round Up und Verabschiedung
Agenda Tag 2 – 17. September 2026

Silke Modjesch und Steffen Meier (DIGITAL PUBLISHING REPORT)

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Alexander Seifert ist Geschäftsführer und Entwickler von Textshine. Er ist seit 2003 im familiengeführten Seifert Verlag tätig und arbeitet seit über zehn Jahren als KI-Entwickler. Textshine ist aus den eigenen Bedürfnissen im Familienunternehmen entstanden. Wie viele PDF-Korrekturschleifen zu viel sind, weiß er aus eigener Erfahrung.
Jahrelang war die Rechnung für Publisher einfach: Wir schreiben einen Artikel, Google schickt Leser und wir verdienen mit Werbung oder Abos. Doch diese Rechnung geht nicht mehr auf. Denn Inhalte werden immer seltener angeklickt, schon auf der Suchergebnisseite finden die Nutzer:innen ihre Antworten – in Systemen, die wir nicht kontrollieren.
Liquid Content ist eine Idee, die Logik umzudrehen: Nicht mehr der Artikel ist der Kern, sondern ein sauber gepflegtes, in Chunks zerlegtes Wissens-Asset, aus dem Formate erst bei Bedarf entstehen. So können Artikel, Newsletter, Audio, Chat, Social und Community zu eigenständigen Produkten werden.
Eric Kubitz zeigt, was Liquid Content für die Branche in Zukunft bedeutet, woran KI-Projekte in Redaktionen manchmal scheitern – und wie ein erster Schritt aussieht, der für jeden Publisher machbar ist.

Als Head of AI treibt Eric Kubitz die digitale Transformation beim Wort & Bild Verlag (Apotheken Umschau) voran: Er entwickelt KI-gestützte Suchfunktionen, führt KI-Tools ein und arbeitet an der Schnittstelle zwischen Redaktion, Technik und Produktmanagement.
Seine Erfahrung reicht in die Anfänge des deutschen Online-Publishings zurück: Als Gründungsmitglied von CHIP Online prägte er die frühe Landschaft mit, 2008 gründete er die CONTENTmanufaktur GmbH und wurde als „Contentman“ zu einer festen Größe der SEO- und Content-Marketing-Szene. Sein Ansatz heißt „KI, aber gut“ – eine bewusst nüchterne Perspektive auf den KI-Hype. Als Speaker und Autor teilt er, wie sich KI sinnvoll in Redaktionen integrieren lässt, mit Fokus auf nachhaltige Geschäftsmodelle und die Balance aus Innovation und journalistischer Qualität.
Hunderte Quellen aus über 750 Städten und Dörfern werden heute in vielen Lokalredaktionen weitgehend manuell beobachtet und verarbeitet. CH Media fragte sich, welche Teile dieser Arbeit eine Maschine übernehmen oder vorbereiten kann, damit Journalistinnen ihre Zeit wirkungsvoller einsetzen können. Gemeinsam mit STERNWALD hat CH Media dafür huGO Scout eingesetzt: eine skalierbare End-to-End-Pipeline mit KI-Crawler, die relevante Themen findet und der Redaktion die Zeit zurückgibt, die vorher in Routine-Produktion floss – Zeit, die jetzt in Recherche geht. Genauso wichtig: CH Media baut das Wissen um Prompts und KI-Workflows selbst auf und hält es im Haus. Das System dafür liefert STERNWALD. Im Talk zeigen beide gemeinsam, wie dieser Schritt konkret aussah – aus redaktioneller und aus technischer Sicht, inklusive dem, was noch im Aufbau ist.

Bastian Metz ist COO bei Sternwald Systems und verantwortet Product und Operations. Er hat über 20 Jahre Erfahrung in der Publishing-Technologie. Sternwald baut die technische Basis für Tages-, Magazin- und Fachverlage im DACH-Raum — Content-Plattformen, Asset Management und digitale Produkte. Im Zentrum steht die huGO-Produktfamilie mit huGO Spark als Content Operations Platform.
Martin Bernklau, Journalist und Betreiber des Kulturblogs Cul-tu-re.de, schildert einen Fall, der exemplarisch zeigt, was passiert, wenn KI-Systeme falsche Informationen über reale Personen produzieren – und niemand die Verantwortung übernimmt. Microsoft Copilot verknüpfte seinen Namen mit Straftaten, über die er als Gerichtsreporter (aus Prozessen) berichtet hatte, komplett mit Adresse und Routenplaner. Was folgte: zwei Jahre juristische Auseinandersetzungen, mediale Aufmerksamkeit von SWR bis SPIEGEL, Anfragen von Universitäten in Köln, Berkeley und Harvard – und bis heute kein rechtskräftiges Urteil. Ein Erfahrungsbericht über KI-Halluzinationen, Plattformverantwortung und die Grenzen des Rechtsstaats im Umgang mit automatisierter Verleumdung.

Martin Bernklau ist Journalist, Romanautor und Blogger. Er wurde in Calw geboren und studierte in Tübingen und Berlin. Er hat einen Master-Abschluss der Freien Universität Berlin und arbeitete als Redakteur und Freiberufler für verschiedene Zeitungen, wobei er insbesondere Erfahrungen als Kulturjournalist, in der Kommunalpolitik und als Art Director sammelte. Im Jahr 2024 wurde er als Gerichtsreporter bekannt, als Microsofts KI „Copilot“ und ChatGPT ihn namentlich und mit seiner Adresse als Schwerverbrecher, Kinderschänder, Messerstecher und Geiselnehmer identifizierten. Dabei handelte es sich ausschließlich um Fälle, über die er zuvor als Journalist berichtet hatte.
Künstliche Intelligenz erzeugt Texte, Bilder und Stimmen, die von echten kaum noch zu unterscheiden sind – und stellt Redaktionen damit vor eine doppelte Aufgabe: Sie müssen erkennen, was manipuliert oder frei erfunden ist, und zugleich das Vertrauen ihrer Leser:innen schützen. Bemerkenswert dabei: Dieselbe Technologie, die täuscht, kann beim Prüfen helfen. Vier Fachleute aus Nachrichtenagentur, Deep-Tech, Redaktion und Medienrecht diskutieren, wo diese Grenze verläuft – und was Verlage konkret tun müssen, um sie zu halten.
Stefan Voß leitet die Verifikation bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und prüft täglich Bilder, Videos und Behauptungen aus dem Social Web auf ihre Echtheit – die Perspektive derer, für die Faktenprüfung Kerngeschäft ist.
Anika Gruner hat mit Neuramancer ein Startup gegründet, dessen Software Deepfakes und KI-generierte Bilder inhaltsunabhängig an statistischen Spuren erkennt – der technologische Blick darauf, was Manipulation sichtbar macht.
Uwe Renners, stellvertretender Chefredakteur Digital bei der RHEINPFALZ, nutzt KI umgekehrt als Werkzeug: Sein Faktenchecker prüft Behauptungen strikt gegen Primärquellen – er liefert die Praxissicht aus dem Medienhaus.
Sabine Richly, Rechtsanwältin für Urheber- und Medienrecht, ordnet ein, welche Rechte, Haftungsfragen und Kennzeichnungspflichten Verlage kennen müssen, sobald KI im Spiel ist.

Sabine Richly ist Rechtsanwältin und Digital Media Consultant. Sie hat in Passau und London Jura studiert und ihre Referendarzeit in Düsseldorf, Münster und Brüssel absolviert. Zusätzlich hat sie Masterabschlüsse im Digital Media Management und Digitalem Medienrecht an der Filmuniversität Potsdam erworben. Nach mehreren Jahren Anwaltstätigkeit bei einer auf Film und Medien spezialisierten Kanzlei in München war sie zwischen 2009 und 2023 Justiziarin der VG WORT. Seitdem berät sie als selbständige Rechtsanwältin und Consultant NGOs, Urheberverbände, Verwertungsgesellschaften und Unternehmen dabei, sich in den komplexen politischen Rahmenbedingungen rund um KI und Urheberrecht in europäischen und globalen Entscheidungsgremien zurechtzufinden.

Anika Gruner ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der Neuramancer AI Solutions GmbH, einem bayerischen Deep-Tech-Startup für KI-gestützte Deepfake-Erkennung und Multimediaforensik. Die studierte Medienwissenschaftlerin brachte vor der Gründung Erfahrung aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk (BR) sowie privaten Medienhäusern (u. a. ProSieben) und im IT-Onlinemarketing mit. Neuramancer gründete sie 2024 gemeinsam mit dem Multimediaforensik-Experten und Forscher Anatol Maier. Das Unternehmen entwickelte eine proprietäre Software, die Deepfakes und KI-generierte Bilder und Videos inhaltsunabhängig durch Analyse statistischer Artefakte im Bildrauschen erkennt – eine Technologie, die bereits Faktencheck-Redaktionen (u. a. „Spiegel“) bei der Identifizierung manipulierter Inhalte unterstützen konnte.

Uwe Renners hat in seiner Laufbahn erst Textilien veredelt, dann Chemieingenieurwesen studiert und ist dann zum Textveredeln gewechselt. Die ersten journalistischen Erfahrungen sammelte er bei der Münsterschen Zeitung, dann hat er bei den Westfälischen Nachrichten volontiert. Nach zehn Jahren in einer Lokalredaktion im Münsterland wechselte er in die Mantelredaktion. Von 2015 bis Ende 2016 war er Ressortleiter Online/Digitales beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. Seit dem 1. Januar 2017 ist er stellvertretender Chefredakteur Digital bei der Rheinpfalz. Er beschäftigt sich mit digitaler Transformation und KI in Redaktionen. Sein Schwerpunkt liegt darauf, strategische Ziele in konkrete redaktionelle Praxis zu übersetzen.

Stefan Voß, dpa
Standardanliegen im Leserservice erledigt beim Verlag Nürnberger Presse zunehmend eine KI: „Kiara“ erkennt eingehende Anfragen automatisch und wickelt Vorgänge wie Urlaubsunterbrechungen oder Zustellreklamationen fallabschließend ab – per E-Mail und am Telefon, ohne menschlichen Eingriff.
Das Bemerkenswerte ist, was der VNP bewusst nicht tut: auf maximale Quote optimieren. Automatisiert wird ausschließlich, was sich sicher und ohne Nachbearbeitung abschließen lässt – alles Übrige bleibt beim Serviceteam. Die so gewonnene Zeit fließt dorthin, wo sie zählt: in die persönliche Beratung komplexer Fälle und in proaktive Formate wie Begrüßungsanrufe bei neuen Abonnent:innen. Wie dieser eng gesteckte Rahmen in acht Wochen zu einer Automatisierungsquote von 35 Prozent führte – und warum genau diese Zurückhaltung der eigentliche Erfolgsfaktor ist.

Beran Kiyak, Leiter Customer Care und Systeme & Prozesse Lesermarkt, Verlag Nürnberger Presse ist seit 2023 verantwortlich für Systeme und Prozesse im Lesermarkt. Zuvor war er über elf Jahre bei der Epsilon Verlagsmarketing GmbH in verschiedenen leitenden Positionen im Kundenservice und Projektmanagement, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und VRM. Der Betriebswirt (IWW) und zertifizierte Datenschutzbeauftragte hat seinen Schwerpunkt im Aufbau effizienter Serviceorganisationen und in der Prozessoptimierung. Beim VNP treibt er die Einführung von KI im Kundenservice voran – mit dem Anspruch, Service aus Kundensicht zu denken und Mitarbeitende zugleich durch klare Strukturen und moderne Tools zu entlasten.
Viele Unternehmen investieren derzeit in generative KI, Retrieval Augmented Generation (RAG) und Chatbots. Dabei liegt der Fokus häufig auf Sprachmodellen, Vektordatenbanken oder Prompt Engineering. Der entscheidende Erfolgsfaktor wird jedoch oft übersehen: die Qualität der Datenaufbereitung.
In diesem Vortrag werden die Ergebnisse einer umfangreichen Vergleichsstudie vorgestellt, in der verschiedene Verfahren zur Konvertierung von PDF Dokumenten für den Einsatz in KI Systemen untersucht wurden. Bewertet wurden unter anderem die Erhaltung semantischer Strukturen, Tabellen, Literaturverweise, Mehrsprachigkeit, Zitierfähigkeit sowie die Eignung für RAG Systeme.
Anhand konkreter Beispiele wird gezeigt, welche Informationen bei der Konvertierung verloren gehen, welche Auswirkungen dies auf Retrieval, Halluzinationen und Antwortqualität hat und warum viele KI Projekte bereits vor dem ersten Prompt scheitern.
Der Vortrag zeigt außerdem, wie strukturierte Daten, intelligente Chunking Strategien und fundstellengenaue Zitierfähigkeit die Qualität, Transparenz und Vertrauenswürdigkeit von KI Anwendungen deutlich verbessern können. Ergänzend werden Datenschutz, Compliance und die langfristige Unabhängigkeit von proprietären Plattformen betrachtet.

Manuel Montero Pineda ist Geschäftsführer der data2type GmbH und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der automatisierten Verarbeitung strukturierter Inhalte. Mit dem Octopus Service entwickelt und betreibt er Konvertierungsdienste, die Dokumente zwischen zahlreichen Formaten wie PDF, Word, XML, HTML, EPUB oder InDesign austauschen und für unterschiedliche Publishing- und KI-Prozesse aufbereiten. Sein aktueller Schwerpunkt liegt auf der Datenaufbereitung für generative KI und RAG-Systeme. Er veröffentlicht regelmäßig Studien zur Qualität von Konvertierungsverfahren und spricht auf Fachkonferenzen über den praktischen Einsatz von KI im Publishing.
Round Up und Verabschiedung
Veranstalter
Der DIGITAL PUBLISHING REPORT liefert Praxiswissen zur digitalen Transformation für Medienunternehmen und andere Publisher. Wir ermöglichen Medienunternehmen, die technischen und strategischen Herausforderungen in der digitalen Transformation zu meistern. Mit unseren digitalen Medien führen wir Publisher, Experten und Technologieanbieter praxisnah zusammen – mit dem Ziel, die führende Community für den Knowhow-Transfer im digitalen Publizieren aufzubauen.






