Thema
Die Frage ist nicht mehr, ob Verlage mit KI arbeiten – sie tun es längst, ob im Buch, im Fachmedium oder in der Presse. Die interessante Frage lautet inzwischen anders: Wo behält der Verlag die Kontrolle, und wo schafft bewusste Zurückhaltung mehr Wert als maximale Automatisierung?
Genau darum geht es bei der ai@media. In den Praxisberichten dieser beiden Tage taucht ein Muster immer wieder auf: Die erfolgreichen KI-Projekte sind nicht die, die am meisten automatisieren, sondern die, die genau wissen, wo die Maschine aufhört und der Mensch übernimmt. Ein Fachverlag, der aus geprüftem Wissen neue Services baut, ohne die Hoheit über seine Inhalte abzugeben. Ein Service-System, das nur abschließt, was sich sicher abschließen lässt. Ein Assistent, der bei unsicherer Faktenlage lieber schweigt als falsch zu antworten.
Seit 2021 bringen wir Entscheider:innen, Expert:innen und Branchenpioniere aus Buch-, Fach- und Pressehäusern zusammen, die aus dem Verlagsalltag berichten – ehrlich, mit Zahlen, Hürden und Lessons Learned. Was funktioniert? Wo lauern die Risiken für Qualität, Recht und Glaubwürdigkeit? Und wie gelingt die Umsetzung, ohne die Kontrolle über Inhalte, Daten und Marke zu verlieren?
Ihre Vorteile auf einen Blick
- Zwei volle Tage geballte Fachexpertise statt theoretischer Konzepte
- Praxis statt Vendor-Pitch: echte Use Cases mit Hürden, Zahlen und Lessons Learned
- Sofort umsetzbar: konkrete Strategien und Blueprints für die KI-Integration
- Flexibel verfügbar: komplette Aufzeichnung aller Sessions zum Nacharbeiten
Content
Künstliche Intelligenz erzeugt Texte, Bilder und Stimmen, die von echten kaum noch zu unterscheiden sind – und stellt Redaktionen damit vor eine doppelte Aufgabe: Sie müssen erkennen, was manipuliert oder frei erfunden ist, und zugleich das Vertrauen ihrer Leser:innen schützen. Bemerkenswert dabei: Dieselbe Technologie, die täuscht, kann beim Prüfen helfen. Vier Fachleute aus Nachrichtenagentur, Deep-Tech, Redaktion und Medienrecht diskutieren, wo diese Grenze verläuft – und was Verlage konkret tun müssen, um sie zu halten.
Sabine Richly, Rechtsanwältin für Urheber- und Medienrecht, ordnet ein, welche Rechte, Haftungsfragen und Kennzeichnungspflichten Verlage kennen müssen, sobald KI im Spiel ist.
Anika Gruner hat mit Neuramancer ein Startup gegründet, dessen Software Deepfakes und KI-generierte Bilder inhaltsunabhängig an statistischen Spuren erkennt – der technologische Blick darauf, was Manipulation sichtbar macht.
Uwe Renners, stellvertretender Chefredakteur Digital bei der RHEINPFALZ, nutzt KI umgekehrt als Werkzeug: Sein Faktenchecker prüft Behauptungen strikt gegen Primärquellen – er liefert die Praxissicht aus dem Medienhaus.
Stefan Voß leitet die Verifikation bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und prüft täglich Bilder, Videos und Behauptungen aus dem Social Web auf ihre Echtheit – die Perspektive derer, für die Faktenprüfung Kerngeschäft ist.
Speaker
Sabine Richly ist Rechtsanwältin und Digital Media Consultant. Sie hat in Passau und London Jura studiert und ihre Referendarzeit in Düsseldorf, Münster und Brüssel absolviert. Zusätzlich hat sie Masterabschlüsse im Digital Media Management und Digitalem Medienrecht an der Filmuniversität Potsdam erworben. Nach mehreren Jahren Anwaltstätigkeit bei einer auf Film und Medien spezialisierten Kanzlei in München war sie zwischen 2009 und 2023 Justiziarin der VG WORT. Seitdem berät sie als selbständige Rechtsanwältin und Consultant NGOs, Urheberverbände, Verwertungsgesellschaften und Unternehmen dabei, sich in den komplexen politischen Rahmenbedingungen rund um KI und Urheberrecht in europäischen und globalen Entscheidungsgremien zurechtzufinden.
Anika Gruner ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der Neuramancer AI Solutions GmbH, einem bayerischen Deep-Tech-Startup für KI-gestützte Deepfake-Erkennung und Multimediaforensik. Die studierte Medienwissenschaftlerin brachte vor der Gründung Erfahrung aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk (BR) sowie privaten Medienhäusern (u. a. ProSieben) und im IT-Onlinemarketing mit. Neuramancer gründete sie 2024 gemeinsam mit dem Multimediaforensik-Experten und Forscher Anatol Maier. Das Unternehmen entwickelte eine proprietäre Software, die Deepfakes und KI-generierte Bilder und Videos inhaltsunabhängig durch Analyse statistischer Artefakte im Bildrauschen erkennt – eine Technologie, die bereits Faktencheck-Redaktionen (u. a. „Spiegel“) bei der Identifizierung manipulierter Inhalte unterstützen konnte.
Uwe Renners hat in seiner Laufbahn erst Textilien veredelt, dann Chemieingenieurwesen studiert und ist dann zum Textveredeln gewechselt. Die ersten journalistischen Erfahrungen sammelte er bei der Münsterschen Zeitung, dann hat er bei den Westfälischen Nachrichten volontiert. Nach zehn Jahren in einer Lokalredaktion im Münsterland wechselte er in die Mantelredaktion. Von 2015 bis Ende 2016 war er Ressortleiter Online/Digitales beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. Seit dem 1. Januar 2017 ist er stellvertretender Chefredakteur Digital bei der Rheinpfalz. Er beschäftigt sich mit digitaler Transformation und KI in Redaktionen. Sein Schwerpunkt liegt darauf, strategische Ziele in konkrete redaktionelle Praxis zu übersetzen.
Stefan Voß (57) ist Leiter Verifikation bei der Deutschen Presse-Agentur. Er hat als Auslandskorrespondent in der Ukraine und in Russland gearbeitet und das Faktencheck-Team der dpa aufgebaut. Seit vielen Jahren schult Voß die Themen Digitale Recherche, Verifikation und Faktencheck. Sein Schwerpunkt: Erkennen von KI-generierten Bildern und Videos. Tausende Journalistinnen und Journalisten haben bei ihm gelernt, wie man KI verantwortungsvoll im Redaktionsalltag einsetzt. Voß gehört dem Vorstand des Netzwerks der europäischen Faktencheck-Organisationen EFCSN an.
Foto Quelle: dpa




Termin
16. & 17.09.2026
Veranstalter
Der DIGITAL PUBLISHING REPORT liefert Praxiswissen zur digitalen Transformation für Medienunternehmen und andere Publisher. Wir ermöglichen Medienunternehmen, die technischen und strategischen Herausforderungen in der digitalen Transformation zu meistern. Mit unseren digitalen Medien führen wir Publisher, Experten und Technologieanbieter praxisnah zusammen – mit dem Ziel, die führende Community für den Knowhow-Transfer im digitalen Publizieren aufzubauen.







